Puerto Rico ist ein US-amerikanisches Außengebiet, doch für uns fühlte es sich schon nach kurzer Zeit durch und durch karibisch an. Die Autobahnschilder wirkten vertraut, an beinahe jeder Ecke schien eine Walgreens-Apotheke zu stehen, Fast Food war äußerst beliebt und die niedrigen Tempolimits wurden eher als freundliche Empfehlungen verstanden. Dann drehte jemand die Musik auf, plötzlich wurde überall Spanisch gesprochen und spätestens der nächste Strand erinnerte uns ganz genau daran, wo wir waren.
Bianca wollte Puerto Rico bereits seit Jahren besuchen, obwohl nicht einmal sie so recht erklären konnte, warum. Die Karibik hatte nie ganz oben auf unserer Liste gestanden. Die Dominikanische Republik klang uns zu touristisch, unser Wissen über Jamaika bestand größtenteils aus Rot, Gelb und Grün, Menschen, die No Woman, No Cry sangen und Joints rauchten, und wir wussten nicht einmal, dass St. Martin existierte. Während einer Weltreise klang eine richtige Strandpause plötzlich allerdings nach einer ausgezeichneten Idee.
Unsere Kreuzfahrt mit Royal Caribbean startete in San Juan. Damit hatten wir die perfekte Ausrede, vor und nach der Schiffsreise Zeit in Puerto Rico zu verbringen. Aus einem Hafenstopp wurde so ein kleiner Roadtrip über die Insel.
Alt-San Juan war unsere erste karibische Überraschung
San Juan war nicht die laute, chaotische Hauptstadt, die wir erwartet hatten. Die Altstadt fühlte sich entspannt an und ließ sich gut zu Fuß erkunden, mit dem Atlantik am Ende fast jeder Straße. Farbenfrohe Häuser machten die karibische Umgebung unverkennbar, während Balkone, Kopfsteinpflaster und mächtige Festungsanlagen eine viel ältere Geschichte erzählten.

Puerto Rico erholte sich noch immer von Hurrikan Maria, der die Insel im September 2017 getroffen hatte. An manchen Stellen konnten wir Schäden sehen, doch San Juan kehrte langsam zur Normalität zurück. Die Cafés waren geöffnet, aus den Türen klang Musik und die Altstadt hatte jene Art von Atmosphäre, in der wir vergaßen, auf die Uhr zu schauen.

Die Festungen am Rand des Atlantiks
Man kann unmöglich durch Alt-San Juan spazieren und dabei die Festungen übersehen. Das Castillo San Felipe del Morro liegt auf einer riesigen grünen Landzunge, während das Castillo San Cristóbal die Landseite der Altstadt schützt. Selbst wenn Geschichte nicht der Hauptgrund für Deinen Besuch ist, lohnt sich der Spaziergang wegen der Mauern, Wachtürme und Ausblicke auf den Ozean.

Wir verbrachten mindestens genauso viel Zeit damit, die Küste entlangzublicken, wie mit der Besichtigung der Festungsanlagen. Von den Mauern aus wirkte San Juan zwischen dem Ozean und der dicht bebauten Altstadt plötzlich klein. Außerdem war es einer dieser Orte, an denen wir die Kamera alle paar Meter hervorholen mussten.

Gassen, Frühstück und die Heimat der Piña Colada
Das Schönste an San Juan war, einfach durch die Straßen zu spazieren. Eine war hellblau, die nächste rosa oder gelb, und das steile Kopfsteinpflaster gab immer wieder den Blick auf das Meer frei. La Perla lag außerhalb der alten Stadtmauer unterhalb der Festungen. Nur wenige Schritte vom herausgeputzten Zentrum entfernt war es ein völlig anderes Viertel.

Einen Morgen begannen wir mit einem kreolischen Frühstück. Später kehrten wir im Barrachina ein, jenem Restaurant, das für sich beansprucht, die Piña Colada sei dort 1963 erfunden worden. Die konkurrierenden Entstehungsgeschichten wollten wir nicht allzu ernsthaft untersuchen. Eine in Alt-San Juan zu trinken war genug Recherche für uns.

Nach dem Vollmond mit dem Kajak durch die Laguna Grande
Puerto Rico hat drei biolumineszierende Gewässer: die Mosquito Bay auf Vieques, La Parguera bei Lajas und die Laguna Grande in Fajardo. Wir entschieden uns für die Laguna Grande, weil sie am besten zu unserer Route passte, und buchten bei Kayaking Puerto Rico eine abendliche Kajaktour.
Das Prinzip klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Mikroskopisch kleine Organismen, sogenannte Dinoflagellaten, erzeugen einen kurzen Lichtblitz, wenn sich das Wasser bewegt. Jeder Paddelschlag, jede Hand und jedes Kajak kann das dunkle Wasser zum Funkeln bringen. Je dunkler die Nacht ist, desto leichter lässt sich das Leuchten erkennen.
Leider war unser Timing furchtbar. Wir waren kurz nach Vollmond dort, weshalb die Nacht deutlich heller war, als sie hätte sein sollen. Der Anbieter warnte uns vorab, bot uns an zu stornieren und gewährte sogar einen Rabatt, weil das Leuchten schwach ausfallen würde. Wir machten trotzdem mit.
Wir paddelten durch einen schmalen Mangrovenkanal in die Lagune. Wenn wir das Wasser bewegten, leuchtete es tatsächlich, allerdings nur ganz schwach. Es war nicht das Neonspektakel aus den Werbefotos, und mit unserer Kamera ließ es sich unmöglich vernünftig festhalten. Trotzdem war es ein ganz besonderes Erlebnis, im Dunkeln durch die Mangroven zu treiben. Wir waren froh, es gemacht zu haben, bloß eben mit realistischen Erwartungen.
Wenn die Bio Bay der Hauptgrund für Deinen Besuch ist, solltest Du vor der Buchung die Mondphase prüfen. In einer Nacht rund um Neumond haben die Organismen deutlich bessere Chancen, ihre Show zu zeigen.
Von grünen Hügeln zu rosa Salzseen
Nach der Kreuzfahrt setzten wir den Puerto-Rico-Teil unserer Reise fort. Die Straße führte uns weg von San Juan ins grüne Landesinnere und anschließend in Richtung des trockenen Südwestens. Innerhalb einer relativ kurzen Fahrt wechselte die Landschaft von dichter Vegetation und Wasserfällen zu Salz, Kalkstein und offenem Meer.

Die Salzseen bei Cabo Rojo waren tatsächlich rosa. Den Lake Hillier in Westaustralien hatten wir nur aus der Luft gesehen. Hier beinahe direkt am Wasser stehen zu können, war deshalb deutlich befriedigender. Statt eines perfekten rosa Badesees ist dies eine Landschaft, in der aktiv Salz gewonnen wird, was sie für uns nur noch interessanter machte.

Cabo Rojo, Los Morrillos und der Weg entlang der Klippen
Von den Salzseen führte eine holprige Straße zum Leuchtturm Los Morrillos. Man konnte entlang der Straße parken, während es am Ende nur wenige Stellplätze gab. Das letzte Stück zu Fuß zurückzulegen, war daher die entspanntere Variante.

Schon der Leuchtturm war die Anfahrt wert, doch die Klippen dahinter waren das eigentliche Highlight. Das Land endete einfach über dem Karibischen Meer, wo heller Fels steil ins blaue Wasser abfiel. Es war wunderschön, windig und genau jene Art von Ort, an dem ein unachtsamer Schritt den Urlaub sehr schnell ruinieren würde.

Die Strände der Westküste fast für uns allein
In unseren letzten Tagen drehte sich alles um Strände. Wir hielten an verschiedenen Küstenabschnitten rund um Cabo Rojo, am Steps Beach und an der Nordwestküste bei den alten Leuchtturmruinen nahe Aguadilla. Manche waren leicht zu erreichen, andere lagen hinter holprigen Straßen und verlangten etwas mehr Einsatz.

Dieser Einsatz zahlte sich meistens aus. Statt Hotelreihen und geordneten Sonnenliegen fanden wir Sand, Riffe, Felsbecken und genug Platz für unseren eigenen Abschnitt. An einem Strand bei Arecibo bildeten Felsen ein geschütztes Meerwasserbecken, während gleich dahinter große Atlantikwellen brachen. Es fühlte sich viel wilder an als jene karibische Strandpause, die wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.

Nicht jeder Teil des Roadtrips war perfekt. Eine Unterkunft nahe Puerto Real war wirklich schlecht, und die Straßen zu manchen Stränden waren abenteuerlicher als erwartet. Auf einer Insel, die uns deutlich mehr Abwechslung bot, als wir eingeplant hatten, waren das aber nur kleine Kritikpunkte.
