In Chicago würde unsere erste Weltreise enden. Das fühlte sich völlig unwirklich an, bis die Skyline tatsächlich vor uns auftauchte. Nach Monaten mit neuen Straßen, unbekannten Betten und der täglichen Entscheidung, wohin es als Nächstes gehen sollte, blieben uns plötzlich nur noch zwei Tage in der Stadt bis zum Heimflug.
Als wir Chicago erreichten, hatte sich unser Rhythmus verändert. Wir versuchten nicht mehr, noch einen großartigen Umweg in die Route zu quetschen. Wir gingen zu Fuß, blickten zur Skyline hinauf, trugen ein letztes Mal unsere Flagge und begriffen langsam, dass es nach 247 Tagen wirklich keinen nächsten Stopp mehr geben würde.
Abschied von den Badlands
Von den Badlands fuhren wir nach Sioux Falls. Die offenen Landschaften des Westens gingen langsam in jene langen Straßen Richtung Osten über, die uns zurück in eine Großstadt bringen würden. Auf diesem Teil der Reise ging es weniger darum, noch ein Highlight zu finden, sondern vielmehr darum, die Distanz zu schließen, ohne die letzten Tage zu überstürzen.
Zwei Nächte in Minneapolis
Von Sioux Falls fuhren wir weiter nach Minneapolis und blieben dort zwei Nächte. Der Stopp teilte die Fahrt auf und schenkte uns eine letzte Pause vor Chicago. Zu diesem Zeitpunkt waren unser Gepäck, unsere täglichen Abläufe und die ständige Bewegung völlig normal geworden, obwohl wir wussten, dass wir all das bald wieder gegen unser Zuhause eintauschen würden.
Ankunft in Chicago
Unsere erste Nacht verbrachten wir nahe Midway, danach zogen wir für zwei Nächte in die Stadt. Zum ersten Mal seit Monaten ließen sich alle verbleibenden Morgen an einer Hand abzählen und der Heimflug war kein ferner Eintrag mehr am Ende unserer Route.

Durch die Lage am See wirkte Chicago ungewöhnlich offen für eine Stadt dieser Größe. Navy Pier, Boote und das Riesenrad lagen vor der Skyline, während sich der Lake Michigan so weit erstreckte, dass er eher wie eine Küste als wie ein See im Landesinneren aussah.
Das Auto zurückgeben
Vor unseren letzten Nächten in der Stadt gaben wir das Auto zurück, das uns durch die USA und Kanada getragen hatte. Die Schlüssel abzugeben machte das Ende greifbarer als jeder Countdown. Bis dahin hatte es immer noch eine weitere Straße, einen weiteren Campingplatz und einen weiteren Ort gegeben, den wir am nächsten Tag erreichen wollten.
Von diesem Moment an wurde unsere Welt wieder kleiner. Chicago war kein weiterer Stopp auf einem Roadtrip mehr, sondern jener Ort, von dem aus wir nach Hause fliegen würden. Wir hatten noch Zeit für Spaziergänge durch die Stadt, doch die lange Fahrt durch Nordamerika lag bereits hinter uns.
Ein verregneter Spaziergang durch die Stadt
Das Wetter bescherte uns nicht die klaren Fotos der letzten Stadt, die wir uns vielleicht ausgesucht hätten. Die Straßen spiegelten die Türme, Menschen überquerten sie unter Regenschirmen und die Gebäude verschwanden in hellen Wolken. Wir gingen trotzdem los. Nach acht Monaten brauchten wir keine Strategie mehr, bei der wir auf ideales Wetter warteten.

Chicago gefiel uns am besten, wenn die Struktur der Stadt sichtbar wurde: die Hochbahn über den Straßen, Brücken über den Fluss und Türme, die dicht am Wasser standen. Die Stadt fühlte sich anders an als Los Angeles, San Francisco und Vancouver, unsere anderen großen Stopps in nordamerikanischen Städten.

Ein letztes Foto am Cloud Gate
Wir nahmen unsere Reiseflagge mit zum Cloud Gate im Millennium Park. In der polierten Oberfläche spiegelten sich die Skyline, der nasse Boden und zwei Menschen, die dieselbe Flagge durch einen großen Teil der Welt getragen hatten.
Es war der naheliegende Ort für das letzte Flaggenfoto, was es nicht weniger bedeutungsvoll machte. Das Bild verband Chicago mit all den früheren Stopps, an denen wir die Flagge ausgebreitet, ihre Ecken festgehalten und versucht hatten, den Wind davon abzuhalten, das Logo nach hinten zu drehen.
Entlang des Chicago River
Am Fluss fügte sich die Architektur zusammen. Marina City, moderne Glastürme und ältere Steingebäude standen direkt am Wasser, während sich Brücken und Wassertaxis dazwischen bewegten. Wir folgten dem Fluss, statt dem letzten Reisebudget noch eine kostenpflichtige Attraktion hinzuzufügen.


Dieser Spaziergang wurde zum visuellen Ende unserer Reise: kein einzelnes Monument, nur die Stadt, die sich um uns herum bewegte, während wir verstanden, dass danach kein weiterer Roadtrip-Stopp folgen würde.
Nach 247 Tagen nach Hause fliegen
Von Chicago flogen wir zurück nach München. Unsere erste Weltreise hatte 247 Tage gedauert und fünf Kontinente überquert. Der letzte Flug brauchte keine dramatische Abschiedsszene. Wir packten, fuhren zum Flughafen und taten das, was sich einmal unvorstellbar weit entfernt angefühlt hatte: Wir flogen nach Hause.
Chicago war nicht das lauteste Kapitel der Reise, aber das richtige letzte. Es gab uns eine letzte Stadt zum Erkunden und zwischen den Sehenswürdigkeiten genug Raum, um wahrzunehmen, was gerade zu Ende ging.