Nach 3 Wochen in Südafrika reisten wir ins nächste Land unserer Afrikaroute: nach Namibia. Die letzte Nacht in Südafrika verbrachten wir in Joburg, wie die Einwohner Johannesburg nennen. Im Studentenviertel Braamfontein hatten wir ein Zimmer im Poshtel „Once in Joburg“ gebucht. Poshtel ist eine Mischung aus posh und Hostel. Das „Once“ richtet sich also an Leute, die nicht viel Geld ausgeben, aber trotzdem ein wenig Luxus möchten. Am nächsten Morgen frühstückten wir kostenlos, fuhren zum Flughafen, gaben unser Auto zurück und waren mehr als bereit für Namibia und den Camping-Teil unserer Weltreise. Die Gästehäuser in Südafrika waren schön und wir mochten unsere Gastgeber. Mit Camping ist das trotzdem nicht zu vergleichen. Draußen in der Natur essen, schlafen, aufwachen und duschen: einfach unbezahlbar.
Leider war unsere Begeisterung am Gepäckband in Windhoek schnell verflogen. Dort stellten wir fest, dass Biancas Tasche offenbar nicht so reisebegeistert war wie wir und sich deshalb geweigert hatte, in Joburg ins Flugzeug zu steigen. Nachdem wir den Verlust gemeldet hatten, fuhren wir frustriert und ein wenig grantig, aber voller Hoffnung, dass die Tasche doch noch ankommen würde, zu unserem Gästehaus für die Nacht. Am nächsten Morgen holten wir unser Auto ab und lernten alles über den Aufbau eines Dachzelts für den nächtlichen Schönheitsschlaf sowie über den richtigen Umgang mit einem leistungsstarken 4 WD Toyota Hilux und seinen schicken Eigenschaften. Danach fuhren wir zurück zum Flughafen, wo wir erfuhren, dass die Tasche noch immer nicht gefunden worden war. Also mussten wir etwas tun, das Bianca abgrundtief hasst … einkaufen gehen, wenn sie etwas wirklich braucht. Bianca ist eine echte Shoppingqueen und gibt viel Zeit und Geld dafür aus, aber nie (und wirklich nie) für Dinge, die sie braucht. Im Winter friert sie, weil sie keine richtigen Stiefel und keine Jacke hat, und wenn Du ihr sagst, sie soll sich welche kaufen, wird sie Dich hassen. Ihrer Meinung nach kann Einkaufen für Dinge, die man braucht, nur eine enttäuschende Zeitverschwendung sein, weil man am Ende ohnehin nie findet, wonach man sucht. Also ja, wir verbrachten einen sehr angenehmen Nachmittag in der Grove Mall in Windhoek und Bianca kaufte alles Notwendige für den Urlaub in Namibia – nur für den Fall, dass die Tasche wirklich verloren geblieben wäre. Nach einer zusätzlichen Nacht in Windhoek fuhren wir zu unserem ersten Stopp in Namibia, Sesriem. Wir hatten unsere 5-stündige Fahrt gerade erst begonnen, als Julius vom Flughafen anrief und uns mitteilte, dass er die Tasche soeben auf unserem Campingplatz in Sesriem abgegeben hatte. Das Leben war wieder großartig und Biancas Freude und Motivation waren von einer Sekunde auf die andere zurück.
Die Fahrt von Windhoek nach Sesriem ist nur etwa 280 Kilometer lang (174 Meilen), dauert aber rund 5 Stunden, weil der größte Teil der Strecke nicht asphaltiert ist, sondern aus Schotterstraße besteht (in unterschiedlichstem Zustand – von einer Schotterstraße fast ohne Schotter bis zur extrem steinigen, holprigen Schotterstraße voller großer Felsbrocken – fast wie Findlinge). Es gibt wirklich gute Abschnitte, andere sind jedoch sehr schwierig zu fahren und extrem holprig. Aber ob holprig oder nicht, Gehirnerschütterung hin oder her, die Aussicht wird mit jedem zurückgelegten Kilometer besser. Das Coolste an dieser Fahrt ist, dass man kaum Autos oder Dörfer passiert und keine Menschen sieht.


Namibia
Obwohl Namibia ein sehr großes Land ist (genauer gesagt das 34. größte Land der Welt nach Venezuela, okay, das hilft bei der Vorstellung seiner Größe nicht wirklich – es ist 10-mal größer als Österreich und mehr als doppelt so groß wie Deutschland), ist es nur dünn besiedelt. Es hat lediglich 2,2 Millionen Einwohner, was unter anderem daran liegt, dass große Teile des Landes von Wüste bedeckt sind. Hier liegt die Namib-Wüste, von der das Land auch seinen Namen hat. Außerdem erstreckt sich die berühmte Kalahari-Wüste (die streng genommen nicht nur eine Wüste ist, sondern eine Vielzahl von Landschaften umfasst) teilweise über Namibia (sowie über Südafrika und Botswana). Namibia ist eines der vielfältigsten Länder, die wir bisher besucht haben. Es bietet zwei Wüsten (Namib und Kalahari), eine endlose Küste (Skeleton Coast) und einen riesigen Wildpark (Etosha-Nationalpark). Namibia ist stark deutsch geprägt (aufgrund der historischen deutschen Besatzung), Deutsch ist weit verbreitet und jedes Jahr findet in Windhoek ein Oktoberfest statt.
Nach einer sehr schönen fünfstündigen Fahrt tief in die Wüste Namibias erreichten wir unseren Campingplatz, etwa 30 Kilometer von Sesriem, dem Zentrum des Namib-Naukluft-Nationalparks, entfernt.





Sesriem, Dune 45 & Dead Vlei
Wir beschlossen, einen Tag in der Gegend rund um Sesriem zu verbringen. Unser Campingplatz lag etwa 45 Minuten entfernt und wir waren darüber wirklich froh, weil wir mitten im Nirgendwo einen wunderbaren Platz mit einer atemberaubenden Aussicht auf die umliegenden Berge und Dünen hatten. Allerdings konnten wir Sossusvlei nicht bei Sonnenaufgang erleben, denn nur Camper, die auf einem der beiden Campingplätze im Park übernachten, dürfen eine Stunde vor Sonnenaufgang nach Sossusvlei fahren. Für alle anderen Besucher ist das Tor von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet.
Sesriem
Um zu den berühmten Dünen und zum Dead Vlei zu gelangen, musst Du zuerst in den Ort Sesriem fahren. Dort findest Du den Eingang zu jenem Teil des Namib-Naukluft-Nationalparks, in dem viele Dünen sowie das berühmte Sossusvlei und Dead Vlei liegen. Dabei handelt es sich im Grunde um weiße Lehm- bzw. Salzpfannen mitten in der Wüste, in denen die trockenen, schwarzen Bäume stehen, die man fast immer auf Bildern von Namibia sieht.
Wir starteten unsere Tour um 6:00 Uhr an unserem Campingplatz. Nach ein paar Fotostopps bei Sonnenaufgang erreichten wir Sesriem gegen 7:00 Uhr. An der Tankstelle, die auch Lebensmittel, Postkarten, Briefmarken und kleine Snacks verkauft, holten wir uns schnell einen Kaffee. In oder um Sesriem gibt es kein anderes Lebensmittelgeschäft, die Tankstelle ist also die richtige Anlaufstelle. Dann fuhren wir in den Nationalpark, der Eintritt kostet 80 Rand (5 EUR) / Person + 10 Rand (0,60 EUR) / Auto. Am Parkeingang erhältst Du außerdem eine Karte, auf der der Park und damit alle sehenswerten Punkte eingezeichnet sind. Sossusvlei / Dead Vlei liegt etwa 60 Kilometer (37 Meilen) vom Tor entfernt und der Weg dorthin ist sehr spektakulär und voller wunderbarer Orte. Die letzten vier Kilometer dürfen nur mit 4×4-Autos befahren werden, da die Straße aus reinem Sand besteht. Wenn Du keines hast, musst Du am 2 WD-Parkplatz parken und mit einem Shuttle bis zum Ende fahren.
Dune 45
Zuerst hielten wir an einem Aussichtspunkt, von dem aus Du einen wunderbaren Panoramablick auf die gewaltigen Dünen des Parks genießen kannst. Der nächste Stopp war die berühmte Düne 45, mit etwas mehr als 300 Metern (980 ft) die höchste im Park. Wir blickten nach oben, sahen einander an, zogen unsere Schuhe aus und begannen den Aufstieg. Schon nach den ersten Schritten stellten wir fest, dass das Besteigen einer Düne genauso anstrengend und frustrierend ist wie der Aufstieg auf einen Vulkan. Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, … aber sobald man oben angekommen ist, ist es genauso lohnend wie eine Vulkanbesteigung. Die Aussicht ist so viel besser als von jedem Aussichtspunkt. Oben setzten wir uns in den warmen Sand und genossen einfach ein paar Minuten lang die Aussicht. Der Weg nach unten ist derselbe coole Scheiß wie der Abstieg von einem Vulkan. Wir rutschten einfach den sandigen Berg hinunter und erreichten nach nur 30 Sekunden den Fuß der Düne. Rund um die Düne stehen einige der trockenen Bäume, die man so oft auf Postkarten und Bildern aus Namibia sieht.




Sossusvlei / Dead Vlei
Nach unserer kleinen morgendlichen Aufwachwanderung fuhren wir zum 2-WD-Parkplatz, wo wir den Reifendruck, wie wir es am Vortag gelernt hatten, von 200 auf 102 Bar ablassen mussten, damit wir erfolgreich durch den Sand bis zum Ende der Straße gelangen konnten. Tom liebte die Fahrt durch den Sand, Bianca ebenfalls und sie war froh, nicht selbst fahren zu müssen. Wir genossen sie sehr, teils war es angenehm, teils sehr holprig, aber es war ein echtes Abenteuer. Am Parkplatz angekommen bereiteten wir unsere Müslischale zum Frühstück zu und genossen sie mit dem wunderbaren Blick auf die Dünen. Das Dead Vlei erreichst Du vom Parkplatz in etwa 15 – 20 Minuten. Du kannst nur zu Fuß dorthin gehen und der Weg ist ziemlich einfach. Schwierig machen ihn die brennend heiße Sonne und der Sand, in dem das Vorwärtskommen anstrengend ist. Die Aussicht am Ende des Weges ist unvorstellbar. Wir hatten viele Bilder gesehen und dachten, genau zu wissen, was uns erwartet, aber es war völlig anders – so atemberaubend, dass kein Bild wirklich ausdrücken oder zeigen kann, wie es tatsächlich aussieht – wobei unsere Bilder natürlich noch am nächsten herankommen. Etwa 30 Minuten lang liefen wir über das weiße Sandplateau zwischen den schwarzen Bäumen hindurch, mitten in der orangefarbenen, von Dünen umgebenen Wüste. Es war brennend heiß und trotzdem konnten wir von der wunderbaren Aussicht und der ruhigen Atmosphäre nicht genug bekommen.
Nach unserem Besuch im Dead Vlei fuhren wir zurück zum 2 WD-Parkplatz, schlossen den Kompressor an, der die Arbeit für uns erledigte, und pumpten die Reifen wieder auf 200 Bar auf. Wir fuhren zu unserem Campingplatz zurück und genossen unter einem Himmel voller Millionen leuchtender Sterne ein leckeres selbst gekochtes Abendessen.


Was gibt es sonst noch?
Wir besuchten die Düne 45 und Sossusvlei / Dead Vlei, was angesichts des heißen Wetters für einen Tag genug war. Wir hetzten nicht durch und genossen alle besuchten Orte in vollen Zügen. Wenn Du näher am Park übernachtest und nicht so weit fahren musst, kannst Du mehr Zeit im Park verbringen und auch einen Besuch des Sesriem Canyon, der Elim Dune und des Hidden Vlei in Betracht ziehen.
Unsere Top-Reisehacks für Sossusvlei
- Buche frühzeitig, wenn Du im Park übernachten möchtest – in der Hochsaison (August – Oktober und März – Mai) können Campingplätze und Zimmer mindestens ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht sein. Der Vorteil ist, dass Du Sossusvlei am frühen Morgen genießen kannst, wenn das Licht am schönsten ist und nicht so viele Menschen unterwegs sind.
- Wenn Du campst, solltest Du Lebensmittel nach Sesriem mitbringen. Es gibt keinen Supermarkt und der einzige Ort, an dem grundlegende Dinge verkauft werden, ist die Tankstelle direkt neben dem Parkeingang.
- Miete einen 4×4 – spare nicht an der falschen Stelle. Ein 4 WD ist teurer als ein 2 WD, aber da Du ihn mit komfortablem und geräumigem Dachzelt bekommen kannst, solltest Du das wirklich in Betracht ziehen. Das Selbstfahrerlebnis ist unschlagbar und die Fahrt nach Sesriem ist ohne 4 WD bereits ein Abenteuer, da der Großteil der Strecke sowohl von Windhoek als auch von Swakopmund unbefestigt und sehr steinig ist.
- Wenn Du nicht im Park übernachtest, fahre so früh wie möglich los, denn das Licht am Morgen ist viel schöner als mittags oder nachmittags und auch die Temperaturen sind morgens angenehmer.
- Zieh Deine Schuhe aus und lass sie im Auto, wenn Du am Morgen die Düne 45 hinaufwanderst – das ist viel angenehmer und der Sand ist noch nicht heiß.
- Vergiss nicht: Hut/Baseballkappe, Sonnenbrille, Sonnencreme und Deine Kamera
Unsere Übernachtung
Da wir recht spät gebucht hatten, bekamen wir auf keinem der beiden Campingplätze im Park, dem Sesriem Camp Site und der Sossus Dune Lodge, einen Stellplatz. Wie bereits erwähnt, darfst Du nur dann zum Sonnenaufgang in Richtung Sossusvlei fahren, wenn Du in einer dieser beiden Unterkünfte übernachtest. Wir taten es nicht und bereuen es nicht. Wir übernachteten auf dem „A little Sossus Campsite“, zu dem auch eine Lodge auf der anderen Straßenseite gehört. Der Campingplatz ist ziemlich luxuriös, wenn man bedenkt, dass er einen Pool bietet (sehr klein und eiskalt, aber immerhin gibt es einen Pool). Am luxuriösesten macht ihn jedoch die Tatsache, dass jeder Stellplatz eine eigene Dusche, ein Waschbecken und einen kleinen Küchenbereich hat (mit Spüle und Platz für den Gaskocher). Wir fuhren irrtümlich zuerst zur Lodge, weil wir dachten, dort sei der Campingplatz. Der Rezeptionist begrüßte uns sehr freundlich und bot uns ein kostenloses gefrorenes Handtuch zum Abkühlen sowie einen erfrischenden Cocktail an. Als er herausfand, dass wir nur den Campingplatz gebucht hatten, war es schon zu spät: Er hatte unsere Begeisterung und die Freude in unseren Augen gesehen und berechnete uns den Begrüßungsdrink deshalb nicht.