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Die Twelve Apostles bei Sonnenuntergang
Reisebericht

Großartige Tage auf einer großartigen Straße: Great Ocean Road

Unsere Route über die Great Ocean Road verbindet die Twelve Apostles mit ruhigeren Küstenstopps, Aussichtspunkten, Wasserfällen und Tierbegegnungen.

Reisetagebuch Reisebericht 9 Min. Lesezeit

 

 

Die Great Ocean Road ist wie viele australische Straßen, Highways und Freeways, mit einer wichtigen Ausnahme: Sie ist spektakulär und Du willst hier gar nicht schnell fahren. Ja, die Australier sind nicht gerade die großen Erfinder des schnellen Fahrens und echter Autobahnen. Als Österreicher oder gar Deutscher kann Autofahren dort schnell nerven. Auf der Great Ocean Road gibt es jedoch so viel zu sehen, dass Du ohnehin ständig anhalten und fotografieren möchtest.

Für unseren Roadtrip und die Erkundung der Great Ocean Road brauchten wir 2 Tage. Mit dem Wetter hatten wir wenig Glück und mussten oft warten, bis es aufhörte zu regnen, bevor wir unsere Tour fortsetzen konnten. Trotzdem empfehlen wir 2 Tage für die gesamte Straße, denn es gibt wirklich viele Aussichtspunkte, süße Orte und Sehenswürdigkeiten. Wir fuhren die Route andersherum: Statt von Torquay zur Bay of Islands bei Peterborough zu fahren, starteten wir in Port Fairy und fuhren bis Torquay. Als wir die Great Ocean Road beginnen wollten, regnete es so stark, dass wir beschlossen, rund 4 Stunden bis zum Ende zu fahren und die Tour am nächsten Tag zu starten. Diese Richtung können wir nur empfehlen. Der spektakulärste Aussichtspunkt, die Twelve Apostles, ist so der letzte entlang der beeindruckenden Steilküste. Es wird mit jedem Aussichtspunkt besser. Andersherum ist bereits der 1st Aussichtspunkt, die Twelve Apostles, der spektakulärste.

Great Ocean Road windet sich oberhalb der felsigen Küste entlang

Stopp 1: Port Fairy

Technisch gesehen gehört Port Fairy nicht zur Great Ocean Road. Der Ort liegt 75 Kilometer (47 miles) von ihrem Anfang entfernt, ist unserer Meinung nach aber absolut einen Besuch wert. Das historische Fischerdorf wurde in der Vergangenheit sogar zur lebenswertesten Stadt der Welt mit weniger als 20,000 Einwohnern gewählt. Jedes Jahr im März findet dort das Port Fairy Folk Festival statt. Zum 4-tägigen Musikfestival kommen nicht nur Menschen aus Port Fairy und den Nachbarorten, sondern aus dem ganzen Land.

Nur wenige Schritte über eine Fußgängerbrücke von Port Fairy entfernt erreichst Du Griffith Island. Wir machten den 1-stündigen Rundweg gegen den Uhrzeigersinn und genossen ihn sehr. Kurz nach dem Einstieg erreichten wir den Strand. Das Meerwasser ist kristallklar und bildet zwischen Festland und Insel einen kleinen Fluss. Es ist so blau, dass Du einfach hineinspringen möchtest. Wir sahen ein Wallaby, das der Versuchung nicht widerstehen konnte und genau das tat. Eines der Highlights der Insel ist der Leuchtturm, einer der fotogensten, die wir in Australien fanden. Auf unserem weiteren Weg begegneten wir einem weiteren Wallaby, das direkt vor uns den Pfad überquerte. Auf dem Rückweg zum Parkplatz in Port Fairy kamen wir an einem weiteren Strand und vielen Fischern vorbei, die offensichtlich ihr Mittagessen fangen wollten. Wir liebten Griffith Island und können einen Besuch definitiv empfehlen.

Bianca balanciert auf schwarzen Steinen an der Küste von Griffith Island
Leuchtturm von Griffith Island zwischen zwei weißen Gartenzäunen
Tom und Bianca gehen Hand in Hand über Felsen auf Griffith Island
Wallaby steht unter einem Wegweiser auf Griffith Island
Tom und Bianca lachen gemeinsam auf Felsen von Griffith Island

Stopp 2: Tower Hill Wildlife Reserve

Auf dem Weg zur Bay of Islands, dem Anfang der Great Ocean Road oder ihrem Ende in der üblichen Fahrtrichtung, kamen wir am Tower Hill Wildlife Reserve vorbei. Es ist ein erloschener, heute mit Wasser gefüllter Vulkankrater, der mittlerweile Lebensraum für Wildtiere und Feuchtgebiet ist. Im Park gibt es 4 kurze und einfache Wege, auf denen Du ihn selbst erkunden kannst. Auch geführte Bush Walks werden angeboten. Wir machten den Tower Hill Summit, einen kurzen Weg von 1.5 Kilometern hin und zurück. Er führt zu einem Aussichtspunkt mit gutem Blick hinunter auf Feuchtgebiet und See. Der Park hat außerdem einen schönen, ziemlich großen Picknickplatz und eignet sich perfekt für eine kurze Pause bei der Erkundung der Great Ocean Road und ihrer Umgebung.

Blick vom Tower Hill Wildlife Reserve über Kratersee und Küste

Stopp 3: Bay of Islands

Der 3rd Stopp unserer Tour und der 1st an der Great Ocean Road war der Aussichtspunkt Bay of Islands. Im Grunde ähneln sich die Aussichtspunkte entlang der Straße bis zu den Twelve Apostles: Du parkst, gehst ein paar Meter und genießt eine atemberaubende Aussicht. Die Bay of Islands war dennoch eine der beeindruckendsten, weil sie die gewaltigen Ausmaße der Klippen und die wunderbaren Farben der fragilen Kalksteinküste zeigt.

Kalksteinfelsen in der Bay of Islands an der Great Ocean Road

Stopp 4: Bay of Martyrs

Beeindruckt von der Bay of Islands fuhren wir zur Bay of Martyrs weiter. Vom Aussichtspunkt genießt Du einen wunderbaren Blick auf die von hohen Kalksteinklippen geprägte Küste. In der Bucht liegen mehrere Strände, Schwimmen ist wegen starker Strömungen und felsiger Klippen jedoch nicht möglich.

Felsinsel vor der Küste in der Bay of Martyrs

Stopp 5: The Grotto

Der nächste Stopp ist „The Grotto“ und unterscheidet sich von Bay of Islands und Bay of Martyrs. Statt die Klippen von oben zu betrachten, gehst Du über einige Stufen zum Aussichtspunkt hinunter. The Grotto ist ein Loch im Felsen, das über Millionen Jahre durch Erosion entstand. Heute sieht es wie ein Bogen aus. Das Gestein ist jedoch sehr fragil und könnte künftig einstürzen.

Treppen führen von oben zum Felsbogen The Grotto hinab
Blick durch den dunklen Felsbogen von The Grotto aufs Meer

Stopp 6: London Bridge

London Bridge ist nicht genau eine Brücke, sondern ein Bogen und eine eingestürzte Brücke. 1990 stürzte die Verbindung zwischen Bogen und Festland ein. Auf der anderen Seite befanden sich sogar 2 Menschen, die gerettet werden mussten. Übrig blieb nur der Bogen ohne Verbindung zum Festland. Hinübergehen ist daher nicht mehr möglich.

Eingestürzte Felsbrücke London Bridge vor der Küste

Stopp 7: The Arch

The Arch entstand durch die natürliche Erosion der Wellen, die gegen die Felsformation schlugen und ein Loch in der Mitte formten. Der Bogen ist sehr malerisch. Wenn Du Dir vorstellst, wie viele Jahre die Natur für dieses Loch brauchte, ist der Ort noch atemberaubender und unglaublicher.

Natürlich geformter Kalksteinbogen The Arch an der Great Ocean Road

Der köstlichste Abstecher: Timboon Fine Ice Cream

Nur weil Bianca mit Facebook-Werbung leicht zu erreichen ist, denn sie liebt alles, was lustig, süß, verrückt, hoch und retro ist, und weil Tom Geburtstag hatte, besuchten wir Timboon Fine Ice Cream. Ohne die Facebook-Anzeige hätten wir den Ort nie besucht. Er liegt nicht direkt an der Great Ocean Road und ist ein ziemlicher Geheimtipp. Nicht unter Einheimischen, aber wir fanden ihn in keinem Reiseführer, weshalb Touristen normalerweise nicht hierherkommen.

Den kleinen Abstecher ab Port Campbell nach The Arch können wir sehr empfehlen. Zur Eisdiele sind es rund 15 Kilometer pro Strecke, aber die zusätzliche Zeit und das Geld lohnen sich. Es gibt viele Sorten, von Klassikern bis zu Besonderheiten: Banane, Schokolade, Honeycomb und Passionsfrucht-Baiser. Die Spezialitäten des Hauses sind Whisky Cream und Liquorice. Das Eis ist einfach absolut köstlich. Der kleine Familienbetrieb ist sehr hübsch, und wir genossen unsere Zeit dort sehr. Eine Kugel kostet rund 4 AUD und entspricht damit dem australischen Durchschnitt. Günstigeres Eis fanden wir in Australien nur bei Maccas, also McDonalds. Selbst dort kostete der Sundae mit Schokoladensauce 3.5 AUD. Auch ein Magnum oder anderes verpacktes Eis im Supermarkt kostet rund 3-4 AUD.

Bianca zeigt bei Timboon Fine Ice Cream ein Tuch mit Eistüten

Stopp 8: Loch Ard Gorge

Bis 2009 konntest Du bei einem Besuch der Schlucht den Island Archway bewundern, einen 25 Meter hohen Steinbogen. Leider stürzte er damals ein und hinterließ die Schlucht und zwei Felssäulen. Loch Ard Gorge gehört außerdem zur Shipwreck Coast von Port Fairy bis Cape Otway, denn an der felsigen Küste sanken mehr als 600 Schiffe.

Loch Ard Gorge im warmen Abendlicht
Brandung strömt in eine Felshöhle der Loch Ard Gorge

Das Highlight: The Twelve Apostles

Definitiv der berühmteste, meistbesuchte und schönste Ort entlang der Great Ocean Road. Für das perfekte Foto kamen wir vor Sonnenuntergang an. Der Ort war voller anderer Touristen, die rund um die Twelve Apostles bereits ihren persönlichen perfekten Fotoplatz gewählt hatten. Wir gingen bis ganz ans Ende des Weges. Dort hast Du im Grunde die beste Aussicht, weil Du alle „11“ Felsformationen sehen kannst.

Twelve Apostles bei Sonnenuntergang
Kalksteinsäulen der Twelve Apostles vor der Steilküste

Stopp 10: Kennett River

Wenn Du Koalas in freier Natur sehen möchtest, solltest Du Kennett River besuchen. Du findest sie in den Bäumen entlang der Grey River Road. Sei aber darauf vorbereitet, dass sie es sich weit oben in den Baumwipfeln bequem gemacht haben und Du nur ihre grauen, flauschigen Hintern bewundern kannst. Und das auch nur, wenn Du sie selbst entdeckst, was wirklich schwierig ist, oder eine aufgeregte Menschengruppe findest, die in die Baumwipfel starrt, was meist auf etwas Spektakuläres hindeutet. Bevor wir zur Koalasuche den Hügel hinauffuhren, hielten wir unten an der Straße direkt beim Campingplatz, weil wir einige süße, bunte Vögel sahen, die offensichtlich menschliche Gesellschaft suchten. Wenn Du Futter dabei hast, etwa Brotkrümel oder Mais, werden sie Dich lieben, sich auf Dich setzen und aus Deiner Hand picken. Sie setzten sich auch auf unsere Köpfe. Das war eine nette Massage, aber trotzdem kein wirklicher Genuss.

Grey River Road führt zwischen Eukalyptusbäumen hindurch
Bianca hält einen Papagei auf ihrer Hand am Kennett River
Papagei sitzt auf Toms Schulter am Kennett River

Stopp 11: Erskine Falls – Wye River

Auf dem Weg zum Bells Beach hielten wir als kleine Pause an den Erskine Falls, rund 10 Autokilometer vom Wye River entfernt. Du kannst den Wasserfall von oben ansehen oder über einige Stufen zum Becken hinuntergehen. Er ist definitiv nicht der schönste und beeindruckendste Wasserfall der Welt, aber ein netter Stopp auf dem Weg zum Bells Beach. In der Nähe gibt es einen schönen Picknickplatz, daher lässt sich der Besuch leicht mit einer Picknickpause verbinden. Am Parkplatz beginnen außerdem einige Wanderwege. Wenn Du Deine Fitness aufpolieren möchtest, ist dies ebenfalls ein guter Ort.

Erskine Falls stürzen durch dichten grünen Wald

Stopp 12: Bells Beach

Bells Beach ist der berühmteste und legendärste Strand entlang der Great Ocean Road. Er ist wirklich der beste Strand, allerdings nicht zum Sonnenbaden oder Schwimmen, sondern um Surfer zu beobachten. Hätten wir Surfen gelernt, indem wir ihnen stundenlang zusahen, wären wir mittlerweile richtig gute Surfer. Am Bells Beach beobachteten wir wieder so viele Surfer, dass wir zu unseren persönlichen Schlussfolgerungen über die australische Surfkultur kamen:

Alle surfen – vom Alter von 10 bis 60 sahen wir jede Altersklasse surfen. Es ist wirklich cool, dass Surfen ein Sport für alle ist und die Australier ihn einfach alle sehr lieben.

Sie surfen immer – egal bei welchem Wetter. Als wir Bells Beach besuchten, begann es stark zu regnen. Alle rannten zum Auto, um nicht nass zu werden. Die Surfer blieben im Wasser, als wäre nichts passiert. Natürlich waren sie bereits nass, aber es wurde kalt und sie surften trotzdem weiter.

Sie haben alle diesen bestimmten Surferstil – Tattoos, lange, meist blonde Haare, gebräunte Haut … so sieht der durchschnittliche Surfer aus. Wir sahen so viele Surfer, genug für eine repräsentative Stichprobe, und alle hatten diesen Stil. Bianca ist im Himmel. Sie ist total in Kurt Cobain verliebt und findet, dass sie alle ein wenig wie Kurt Cobain aussehen.

Blick über Strand und Wellen am Bells Beach
Bianca beobachtet Surfer im Wasser am Bells Beach
Surfer geht über das flache Riff am Bells Beach zum Meer

Der letzte Stopp: Torquay

Torquay ist ein guter Ort, um im Surferstil einzukaufen. Du findest dort alle bekannten Beach- und Surfermarken: Billabong, Roxy, Quiksilver und viele mehr. Die Preise sind nicht gerade günstig. In US-Outlets fanden wir deutlich bessere Angebote. Wenn Du aber wirklich etwas brauchst, wirst Du die große Auswahl in Torquay lieben.

Unsere Reisehacks für die Great Ocean Road:

  • Plane 2 Tage ein. Du könntest die Strecke auch an einem Tag fahren, doch das bedeutet viel Fahrzeit. Wenn Du durchhetzt, kannst Du die wunderbaren Orte nicht wirklich genießen.
  • Fahre von Bay of Islands nach Torquay und nicht umgekehrt. So sind die Twelve Apostles Dein letzter Stopp und es wird immer besser. Andersherum ist der beeindruckendste Stopp gleich der erste.
  • Besuche unbedingt Timboon Fine Ice Cream. Von Port Campbell ist es nur ein kleiner Abstecher.

Unser Übernachtungsplatz

Princetown Recreation Reserve and Camping

Wir übernachteten nahe den Twelve Apostles, weil wir dort den Sonnenuntergang angesehen hatten. In unserer Spaceship Travel App fanden wir Princetown Recreation Reserve and Camping, einen großen, aber schönen Campingplatz, der auch zu unserem Budget passte. Wir bezahlten 35 AUD für die Nacht. Der Campingplatz ist mit einer kleinen Küche gut ausgestattet und die Duschen waren wirklich sauber. Für eine Übernachtung entlang der Great Ocean Road können wir ihn sehr empfehlen.

Unseren Melbourne-Guide findest Du in einem eigenen Bericht.

 

Unser Fazit: Hielt die Great Ocean Road, was ihr Name verspricht?

Ja. Die Twelve Apostles sind zwar der berühmteste Stopp, doch die kleineren Buchten, Felsformationen, Wasserfälle, Tiere und ein Abstecher zum Eis machten die ganze Strecke lohnenswert. Weil wir nahe der Küste übernachteten, konnten wir die bekanntesten Aussichtspunkte außerdem außerhalb der vollsten Stunden erleben.